Herzenssachen

Der Technik­­kopf im Hinter­­grund – das ist der Job unseres Localization Engineers Ben Miller

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Die technischen Anforderungen im Übersetzungs­prozess sind auf den ersten Blick kaum sichtbar, doch sie können schnell zu einer enormen Heraus­forderung werden. Hier kommt der Localization Engineer ins Spiel: Mit seinem technischen Know-how ist er der erste Ansprech­partner bei technischen Angelegenheiten sowie möglichen Problemen und erleichtert damit den gesamten Übersetzungs­prozess. Diese wichtige Aufgabe übernimmt bei MEINRAD Ben Miller doch angefangen hat seine Karriere in der Übersetzungs­branche erst einmal ganz anders.

1. Mit dem Jobtitel „Localization Engineer” können die meisten wahrscheinlich im ersten Moment nicht viel anfangen. Wofür steht „Localization Engineering” deiner Meinung nach?

Der Kunde schickt einen Text an das Übersetzungsbüro, die Übersetzerinnen übersetzen den Text in die Sprache(n) der Wahl und schon geht der Text zurück an den Kunden. So einfach, wie sich viele den Übersetzungsprozess vorstellen, ist das Ganze allerdings nicht. Denn im Hintergrund geschieht eine ganze Menge technische Vorbereitung und Problemlösung – und genau hier komme ich ins Spiel. Als Localization Engineer kümmere ich mich um alle technischen Probleme und Aufgaben rund um den Übersetzungsprozess. Das beginnt meist unmittelbar nach dem Austausch der Dateien mit der Dateivorbereitung und zieht sich über den kompletten Übersetzungsprozess bis hin zur Lieferung der übersetzten Inhalte. Der Localization Engineer baut folglich eine Brücke zwischen dem alltäglichen Übersetzungsgeschäft und den damit verbundenen technischen Anforderungen.

2. Wie unterstützt du deine Kollegen und Kunden bei der täglichen Arbeit?

Den Projektmanagerinnen und Übersetzern fehlt es bei komplexen technischen Schwierigkeiten oft an Kapazitäten und Know-how. Denn die technischen Herausforderungen in der Übersetzungsbranche sind enorm. Da ist es sinnvoll, diese Aspekte aus dem Projektmanagement auszulagern und den Projektmanagern so die Arbeit zu erleichtern. Meine Aufgabe ist es folglich, zu beobachten, welche Arbeitsschritte beim Projektmanagement optimiert werden können und in welchen Bereichen ich konkret entlasten kann. Die Projektmanager können sich also stets auf meinen technischen Support verlassen. Dazu gehört auch, die internen Prozesse nachhaltig zu verbessern. Denn wenn mir oder meinem Team auffällt, dass ein Arbeitsablauf verbessert werden könnte, möchte ich nicht nur den Projektmanagern unter die Arme greifen, sondern die Gelegenheit nutzen, um eine langfristige und nachhaltige Lösung zu entwickeln, von der alle Mitarbeiterinnen profitieren können. Dadurch bleibt am Ende mehr Zeit für die wichtigen Aufgaben des Projektmanagements – wie beispielsweise der persönliche Kontakt zu unseren Kunden.

Grundsätzlich verwalte ich auch unser Übersetzungstool memoQ und das Projektmanagementsystem XTRF und versuche, das Potenzial der beiden Systeme bestmöglich auszureizen. Einer meiner größten Aufgabenbereiche ist jedoch die Dateivorbereitung. Hierbei geht es darum, die Texte so aufzubereiten, dass sie optimal in memoQ importiert werden können. Wenn die Texte sauber aufbereitet sind und individuell an die Anforderungen der Systeme angepasst wurden, ist das am Ende nicht nur für die Projektmanager und Übersetzer eine Entlastung, sondern vor allem für unsere Kunden. So beugen wir bereits zu Beginn vielen potenziellen Problemen vor, die im späteren Übersetzungsprozess wesentlich schwieriger zu beheben wären.

3. In deinem Job geht es vor allem darum, Probleme zu lösen. Welches Wissen und welche Fähigkeiten sind dafür am wichtigsten? 

In wenig anderen Bereichen ändert sich so schnell so viel wie in der Technikbranche. Da gilt es, immer up-to-date zu bleiben! Die Fähigkeit zum Selbststudium und ein grundsätzliches Interesse an Technik gehören daher zum Basispaket eines Localization Engineers. Bei mir ist das technische Know-how aus meinen Hobbys und persönlichen Interessen entsprungen – das muss aber nicht so sein. Inzwischen gibt es sogar Studiengänge, die konkret auf den Beruf des Localization Engineers vorbereiten. Der klassische Weg zum Localization Engineer ist oft ein Bildungshintergrund aus dem Bereich Software und IT. Doch ich denke, dass ein Localization Engineer sich nicht nur durch seine technischen Fähigkeiten auszeichnet. Vielmehr trifft in dem Beruf technisches Wissen auf Begeisterung für Sprachen – immerhin dreht sich der Arbeitsalltag nach wie vor hauptsächlich um Übersetzungen.

4. Du hast eigentlich Übersetzen studiert. Wie kommt es, dass du jetzt in einem so technischen Bereich arbeitest?

Auf den ersten Blick scheinen Übersetzen und Technik nicht viel gemeinsam zu haben. Doch besonders in einem Übersetzungsbüro, das sich auf technische Übersetzungen spezialisiert, sollten die beiden Hand in Hand gehen. Auch bei mir war das technische Interesse und die Begabung für alles rund um Technik schon lange vorher vorhanden. Da meine Eltern US-Amerikaner sind, fiel damals die Wahl auf eine bilinguale Schule – andernfalls hätte ich wahrscheinlich eine HTL besucht. Trotzdem hat mich bereits im Jugendalter die Technik fasziniert. So habe ich meine Freizeit beispielsweise mit dem Programmieren von Websites verbracht. Als ich dann als Übersetzer und Revisor in der Übersetzungsbranche einstieg, ist schnell eins zum anderen gekommen. Ich habe dann mehr und mehr technische Aufgaben übernommen und so hat sich aus meinem Interesse für Technik der Job als Localization Engineer entwickelt.

5. Was sind die größten Herausforderungen in deinem Arbeitsalltag?

Die wohl größte Herausforderung ist wahrscheinlich das Zeitmanagement. Priorität hat dabei für mich stets das Bedürfnis der Kunden – da ist gute Zeiteinteilung unerlässlich, um Deadlines und Kundenwünschen gerecht zu werden. Dabei darf jedoch auch die Dokumentation nicht zu kurz kommen. Damit mein Team und ich auch zu einem späteren Zeitpunkt die getane Arbeit nachvollziehen können, muss alles fein säuberlich dokumentiert werden.

Darüber hinaus ist die wohl kniffligste Aufgabe an meinem Job die Vor- und Nachbereitung der Dateien. Denn ein Service den wir anbieten, ist die Anbindung der verschiedensten Dateiformate unserer Kunden an unsere Systeme. Für den Kunden hat dies den Vorteil, dass er keine Zeit in die Nachbereitung der Dateien investieren muss. Andernfalls müssten in komplexen Schritten die übersetzten Texte händisch wieder in das eigene System eingepflegt werden. Diesen Schritt machen wir weitgehend überflüssig, was für den Kunden eine enorme Zeit- und Arbeitsersparnis bedeutet. Doch aufgrund der zahlreichen verschiedenen Dateiformate und Systeme kann die Vor- und Nachbereitung schnell zur Herausforderung werden

6. Mit welchen Tools und Programmen arbeitet ein  Localization Engineer?

Viele der zu bearbeitenden Dateien sind XML- oder textbasiert. Daher arbeiten wir meist mit XML-Authoring-Tools und Texteditoren. Reguläre Ausdrücke (RegEx) spielen dabei eine große Rolle, da es bei vielen Bearbeitungsschritten letztlich um komplexe Textmanipulationen geht – das kann man sich ähnlich wie Suchen und Ersetzen in Word vorstellen, nur hoch 10. Darüber hinaus muss ich mich mit memoQ, unserem Übersetzungstool, gut auskennen, denn dies wird bei unserer Arbeit täglich verwendet.

7. Hin und wieder bist du auch zu Besuch bei Kunden und berätst die Übersetzungsabteilung bei technischen Angelegenheiten. Wie kann man sich so einen Besuch vorstellen?

Ein reibungsloser Übersetzungsprozess beginnt selten beim eigentlichen Übersetzen. Meist ergeben sich bereits in den allerersten Gesprächen wichtige Anknüpfungspunkte, die den gesamten Arbeitsablauf erleichtern können, wenn sie richtig angegangen werden. Aus diesem Grund ist es so wichtig, intensive Kundengespräche zu führen. Meine Aufgabe während der Gespräche bezieht sich vor allem auf technische Rückfragen zum Ausgangsmaterial und zur Software, die zu deren Erstellung zum Einsatz kommt. Um das Projekt bestmöglich vorzubereiten, muss ich es jedoch zunächst genau unter die Lupe nehmen. Dann geht es in einem Follow-Up-Gespräch ans Eingemachte und ich kann, in Rücksprache mit dem Kunden, das Projekt von Beginn an individuell optimieren – ein Schritt, den der Kunde letztendlich am Ergebnis sieht.

8. Was machst du eigentlich, wenn du offline bist?

Laufen gehen, gelegentlich Pfeife rauchen und nach Feierabend ein gutes Craft-Beer genießen! Die digitale Welt spielt zwar auch in meiner Freizeit eine große Rolle, aber ich verbringe meine Zeit mindestens genauso gerne offline. Als Musiker lebe ich meine kreative Ader aus und bei einer Runde Dungeons & Dragons kann ich vollkommen abschalten. Mein Interesse für Sprachen ist auch in der nicht-digitalen Welt sehr ausgeprägt, denn ich lese in meiner Freizeit sehr gerne Bücher – am liebsten das Fantasy-Genre.